Herkommen und Bräuche des ukrainischen Volkes

Die ukrainischen Volkstraditionen sind die Verkörperung von Charakterzügen des ukrainischen Volkes in seine Lebensweise, in Bräuche, die das Leben jedes Menschen von der Geburt bis auf den Tod begleiten, von Großvätern zu Enkeln übergeben werden. Die Ukrainer sind eine sehr uralte Nation, und unsere Urahnen fangen an, ihre Kultur weit vor der vorchristlichen Periode zu schaffen. Auch noch jetzt haben wir bei unseren Bräuchen Merkmale der Verbindung von altukrainischen, vorchristlichen und christlichen Kulturen. Wir haben uns aber daran schon so gewöhnt, daß wir manchmal nicht erkennen können, wo das Heidnische in Volksbräuchen endet und wo das Christliche beginnt. Die Ukraine liegt auf den natürlich reichen Böden, und deren Volk seine ganzen Begabungen seit jeher in die Bodenbearbeitung hineinlegte. Das ganze Leben wurde dem Arbeitsrhythmus auf dem Boden untergeordnet, und die Feste wurden an der Grenze von der einen Art der landwirtschaftlichen Arbeiten bis zur nächsten gefeiert. Welche Volks- und Kalenderfeste, Bräuche werden auch heutzutage durch das ukrainische Volk aufrechterhalten? Weihnachtsfest, Freigebiger Abend, oder Melanka-Fest, Neujahr, Dreikönigsfest sind die beliebten Winterfeste, die mit den unbedingten Hoffnungen jeder Familie auf Glück und Wohlergehen verbunden sind.

Christfest (am 7. Januar).
Seit jeher schaffen die Leute bei uns in der Ukraine durch das Wort und Ding, Wortwerk und magischen Akt, durch die ganze Umgebung an diesem Tage eine Gestalt von Reichtum, Glück, Frieden und Ruhe in seinem Haus. Das Heilige Abendmahl, das danach beginnt, wann der Abendstern im Himmel zu schimmern beginnt, indem er allen über ein großes Wunder - Geburt des Gottessohnes - mitteilt, ist ein gemeinsames Abendbrot des ganzen Geschlechtes. Zuerst ißt man Kutja (eine Weizenspeise mit Honig und Obst), und danach alles, was innerhalb des Tages zubereitet wurde, und trinken mit Kompott aus Trockenobst. Die Kinder bringen Abendbrot zu ihren nahen Verwandten: Enkel zu Großeltern, Neffen zur Tante und zum Onkel, Täuflinge zu Taufpaten. Und nach dem Abendbrot beginnt die Belustigung. Die Kinder, die Burschen und Mädchen singen Weihnachtslieder, aber als Erste gehen die Kinder zum Singen von Weihnachtsliedern. Die Burschen gehen mit einem "Weihnachtsstern" und einem Glöckchen. Der "Stern" wird aus hölzerner Zarge und dünnen Brettern, für nicht fünf und nicht sechs, sondern für sieben Ecken gebastelt. Der "Stern" wird mit Farbpapier, Streifen dekoriert. In der Mitte sind das Heiligenbild "Geburt des Christus" und eine Kerze. Die lustige Gruppe der Sänger von Weihnachtsliedern geht bei jeder Behausung vorbei, wo sie eine lustige Aktion vornimmt, während sie ein Puppentheater vorstellt, das unter Name "Marionettentheater" ("Wertep") bekannt ist, dessen Drehbuch je nach der Familienzusammensetzung und dem Charakter des Wirtes flexibel geändert wird. Eine Woche nach dem Weihnachtsfest, am Vortage des Neujahres, ist Freigebiger Abend. Es ist der Rest des uralten, wahrscheinlich des vorchristlichen Brauches. Dem christlichen Kalender nach ist es der Tag der ehrwürdigen Melanija. In der Volkstradition vereinigten sich beide Feste und nun haben wir den Freigebigen Abend oder Melanka-Fest. An diesem Abend bewegt sich eine Rotten von Burschen im Schafspelz mit Wolle nach oben, in Masken, zerlumpt, durch das Dorf mit Witzen, Gelächter, Ausrufen, und sie hat unbedingt zugleich in ihrer Zusammensetzung einen sehr witzigen Jungen, der sich ins Damenkleid umgezogen ist. Während die Jungen Lieder des Freigebigen Abends singen, verspotten sie schlechte Wirtinnen. Es ist ein wahrer Karneval, der voll von Humor und Improvisierungen ist.

Während des Neujahres (am 14. Januar) sammelten sich die Mädchen unter Fenstern von Einwohnern ihres Dorfes, singen für diese die Lieder des Freigebigen Abends, prophezeien Wohlergehen und Reichtum in der Familie. Am ersten Neujahrstag ist das Wassyl-Fest, die Kinder besuchen Verwandte und Nachbarn, bestreuen in Häusern mit Roggenkorn, mit Hafer, Weizen, Erbsen, all je Handvoll und zusammen gemischt, und singen die Bestreuen-Lieder. Während des Dreikönigsfests oder Gotteserscheinung (am 19. Januar), früh morgen, findet der Gottesdienst in der Kirche statt. Nach dem Gottesdienst geht das ganze Volk in einem Festzug zum Fluß, wo ein Kreuz im voraus aufgestellt wird. Zum Fluß gehen alle während des Dreikönigsfests: die Alten, Jugendlichen und Kinder. Jeder trägt eine Flasche oder einen Krug für Wasser mit. Nach der kurzen Ausübung taucht der Priester das Kreuz in das Eisloch. Als das Wasser eingeweiht wurde, traten die Menschen an das Eisloch heran und füllen ihr Gefäß mit Wasser. Nach dem Wasserweihen gehen alle Menschen zu ihren Häusern zurück… Das Dreikönigsfest oder "Jordan" ist ein äußerst christlicher Brauch, der zu uns in die Ukraine zusammen mit dem Christentum kam und einen der Ehrenplätze unter traditionellen Festen unseres Volkes besetzte. Zusammen mit dem Aufwachen der Natur aus Winterschlaf beginnen die mit den uralten Mythen und Glauben an das fruchtbare Jahr verbundenen Frühlingsfeste, auf unserem Land, in der Ukraine, die mit Liedern, Spielen und Reigen versehen sind. Fastnacht - das ist die Verabschiedung des Winters, die letzte Woche vor den großen Fasten, die bis auf Ostern dauern. Die Hauptspeise während der Fastnacht ist Wareniks mit Quark und saurer Sahne, aber auch eingerollte gefüllte Buchweizenplinsen, mit Butter gebraten, sind eine rituelle Speise an diesen Tagen in der Ukraine. Die Ukrainer geben dem Winter mit lustigen und lebensfrohen Spielen und Belustigung das Geleit. Das Hauptfest des Frühlingszyklus ist Ostern, Fest der Auferstehung von Jesus Christus, eines der größten christlichen Feste unseres Volkes, wann wir mit tiefem Glauben im Herzen die Worte "Es auferstehe die Ukraine" äußern. Zu diesem Tag backen die Wirtinnen Osterquarkkuchen, und die Mädchen bemalen die Pyssankas anhand von Farbe und Wachs, indem sie übliche Hühnereier mit magischen bunten Bildern aufdecken. Die Pyssankas und Kraschankas (mit verschiedenen Farben bemalte Eier) ist ein unbedingtes Merkmal dieses Festes. Sobald die Glocke zum Frühgottesdienst läutet, so beginnt das Volk aus allen Dorf- oder Stadtenden, bis zur Kirche zu gehen. Nach der Beendigung der Liturgie wird das "Eingeweihte" um die Kirche herum oder in der Kirchenvorhalle geweiht, das aus Osterquarkkuchen, Quark, Eiern, Schweinespeck, Wurst besteht. Zum Fest zu gratulieren und sich am Osterfest dreimalig zu küssen, beginnt man schon nach dem Gottesdienst. Beim dreimaligen Osterfestkuß wird gewöhnlich geküßt und miteinander mit Pyssankas und Kraschankas umgetauscht. Wenn man aus der Kirche zurückgeht und das "Eingeweihte" mitbringt, beginnt das Ritual "Entfasten" in der Familie. Am Ostermontag besuchen die Bauern einander mit Beglückwünschen, bringen am Montag Weizenkalatschi und Kraschankas zu Besuch. Die Kinder bringen Kuchen zu Paten, zu Großeltern. Bis zum Fest "Himmelfahrt" (am 40. Tag nach Ostern) muß man mit der Saat zu Ende sein. Die Bauern sehen, wie der Roggen beginnt, in die Ähren zu schießen. Dem Volksglauben nach gingen die Nixen während der Grünen Woche (vor der Heiligen Dreieinigkeit) in warmen Mainächten aus Flüssen und Seen, um sich beim Mondschein etwas aufzuwärmen, sich auf Baumzweigen ein wenig zu schaukeln. Die Frauen hängen für die Nixen an die Bäume Ruschnyks, Damenhemden, und die Mädchen hängen die Kränze aus Blumen und Kräutern. An der Grenze des Frühlings und des Sommers ist das Fest die Heilige Dreieinigkeit. Es heißt noch als "Pentekoste", weil es am 50. Tag nach Ostern gefeiert wird. Dieses Fest stammt aus vorchristlichen Zeiten wie auch der Brauch, die Behausungen während dieses Festes mit Baumzweigen und aromatischem Kraut zu schmücken. Nach den nixenhaften Festen, die den Frühling enden, kommt das Fest für Sommeranfang - Petriwka (Fasten, die am 12. Juli während des St. Peter- und Paul-Festes zu Ende gehen). Der erste Tag dieser Fasten ist ein Frauenfest, das mit ihren Bitten zu dem Herrgott um lange Jugend, um Wohlergehen verbunden ist. Das Fest der Sommermitte, das Fest der Jugend, Schönheit, Selbstreinigung ist das Fest von Iwan Kupala. Am 7. Juli, in der Iwan-Kupala-Nacht, wird ein Schreckgespenst auf den Wiesen auf hohen Masten, und den Fluß- und Seeufern entlang Kupajlyzja, ein ritueller, mit Blumen, Bändern, Kränzen geschmückter Baum aufgestellt. Hier gibt es auch ein Feuer, über das die Burschen und Mädchen, sich an Hände haltend, springen, während sie das Gluck und die Liebe bezaubern. In der Iwan-Kupala-Nacht sagen die Mädchen wahr: lassen die Kränze in Wasser schwimmen und blicken, in welche Seite der Kranz schwimmt, wird dort das Mädchen verheiratet, sinkt der Kranz, so wartet die Trennung vom Geliebten. Und da kommt die Sommerspitze, das ist die heißeste Jahreszeit und die heißeste Zeit für den landwirtschaftlichen Arbeiter. Hier ist die Heuernte und der Beginn der Ernte. Zur schweren Arbeit sind die Kräfte zu haben. Am 12. Juli (St. Peter- und Paul-Fest) gehen die Fasten Petriwka zu Ende. Im August gibt es drei Feste, die als Erlöser heißen. Der erste davon (am 14. August) ist Honigerlöser. An diesem Tage beginnt man, Honig zu ernten, in Kirchen werden Wasser, Blumen und Mohn eingeweiht. Im Christentum stimmt dieser Tag mit dem Tag von sieben heiligen Märtyrern Makoweji überein. Der Zweite Erlöser (am 19. August) ist der Große Erlöser oder Verklärung Christi, er heißt noch Apfelerlöser. An diesem Tage werden Obst, Gemüse, Pilze, Honig eingeweiht. Dieser Erlöser wird als Fest für Ernte, Sommerende gefeiert. Der Dritte Erlöser (am 28. August) ist Nußerlöser (weil Nüsse reif werden). Dieser Tag ist auch dazu das Fest Mariä Himmelfahrt oder wie man sagt, die "Erste Keusche", wenn die Ernte in Gärten der Ukraine zu Ende kommt. Am 14. September ist der Anfang des echten Herbstes. Seit diesem Tag beginnt das "alte" Altweibersommer, der am 21. September während der "Zweiten Keusche" oder des Festes der Geburt der Mutter Gottes endet. Am 14. Oktober ist das Fest der Decke der Heiligsten Mutter Gottes oder man sagt gewöhnlich "Decken". Im Haushalt des Dorfes sind die Decken gerade eine Saison für Brautwerbung und Hochzeit. Und man endet, Hochzeiten während des Festes des heiligen Erzstratigs Michaels oder wie die Bauern sagen "Mychajla" (am 21. November) zu feiern. Dieser Tag sagt vorher, was für ein Winter sein wird, der schon bald kommt. Am 4. Dezember ist das Fest der Einführung in den Tempel der Heiligsten Mutter Gottes, "Einführung" oder die "Dritte Keusche". Und es ist schon nicht weit der 19. Dezember, ein frohes Volksfest "Nikolaus", des Heiligen, der sehr gerecht und gut zu Kindern war. Dieses Fest geht den Weihnachten voran. Dann schließt der Kreis von Volks- und Kalenderfesten.

Und was für Feste sind ohne ukrainisches Volkslied, Lieder des Freigebigen Abends, Weihnachts- und Frühlingslieder, die durch ihren Wohlklang die Welt bannen; ohne Volksmusikinstrumente (Bandura, Hirtenflöte, Zimbeln, Tamburin) und ohne zündende ukrainische Tänze (Hopak, Kasatschok, Polka), die alle Volks- und Familienfeste, abendliche Zusammenkünfte und Hochzeiten begleiten.

Und was für Feste sind ohne weltbekannte Gerichte der ukrainischen nationalen Küche?! Sie ist durch ihre mit den nationalen Bräuchen, Kultur, Geistesgaben, Haushalt verbundenen Traditionen bekannt. Sie ist durch die Mannigfaltigkeit und hohe Geschmackseigenschaften von Speisen berühmt. Die meisten Speisen der ukrainischen Küche werden durch die komplizierte Rezeptur und kombinierte Zubereitungsweisen gekennzeichnet. Es werden insbesondere das Füllen und Dünsten im Sondergeschirr verwendet (Kohlrouladen, Krutschenyky (gezwirnte Koteletts), gespicktes und gebratenes Fleisch). Die ukrainische Küche ist durch den Gebrauch von Korn, sowohl von Mehl als auch von verschiedenen Grützen, traditionell bekannt. Die erweitersten Speisen aus Mehl sind Warenikis, kleine Mehlklöße, Plinsen, runde Hefekuchen, Backen). Die bekannten ukrainischen Warenikis werden mit verschiedenen Füllungen (Quark, Kohl, Kartoffeln, Fleisch, Beeren u.ä.) zubereitet. Der Borschtsch ist das beliebte und erweiterste ukrainische Gericht. Zu dessen Zusammensetzung gehören 20 Bezeichnungen von Produkten, die, während sie sich miteinander vereinigen, einen angenehmen Geschmack bilden. Die ukrainischen Borschtsch mit Rindfleisch, Hühnerfleisch, Pilzen, gebackenen Rüben, Backpflaumen u.ä. sind sehr schmackhaft. Es sind über 50 Zubereitungsweisen von Borschtsch bekannt. Aus Alkoholgetränken werden verschiedene ukrainische Gorilkas und Fluchtliköre (Spiritusaufgüsse aus Beeren und Obst) oft gebraucht. In vielen Städten der Ukraine wird das schmackhafte Bier nach mannigfachen Rezepturen hergestellt. Die Ukraine hat auch ihre vortreffliche Weine. Wurden Sie in die ukrainische Familie zu Besuch eingeladen, können Sie sicher sein, daß es für Sie die besten Speisen der ukrainischen Küche zubereiten wird und Sie von der großen Menge des Gegessenen und des Ausgetrunkenen zufrieden bleiben.

Die Touristenagentur "Lybid-Kyjiw" lädt Sie in die ukrainische Familie ein, die Weihnachtsfest oder das Neujahr, Ostern oder das Iwan-Kupala-Fest zusammen zu feiern, die Gerichte der ukrainischen Küche zu kosten, sich Volkslieder anzuhören!
 

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